Ratgeber Erstkäufer

Die erste Immobilie finanzieren — was Sie wissen müssen

Eigenkapital, Kaufnebenkosten 10 – 15 %, Tilgungs­empfehlung, KfW-Förderung und die wichtigsten Fallen für Erstkäufer in Deutschland. Mit konkreten Zahlen und einem Beispielfall.

Junge Familie mit Kind vor dem frisch erworbenen Eigenheim mit Schlüssel in der Hand
Das erste Zuhause

Wer in Deutschland die erste eigene Immobilie kauft, betritt einen Markt mit klaren Regeln, aber wenig Transparenz. Eigenkapitalanforderungen sind hoch, Kaufneben­kosten zweistellig im Prozent­bereich, Förderprogramme verstreut. Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Entscheidungen zusammen und zeigt mit einem konkreten Beispielfall, wie eine realistische Erstfinanzierung 2026 aussieht.

10 – 15 %
Kaufnebenkosten in Deutschland
Grunderwerbsteuer + Notar + Makler (Käuferanteil)
20 – 30 %
Empfohlene Eigenkapitalquote
inkl. Nebenkosten — Faustregel der meisten Banken
2 – 3 %
Empfohlene anfängliche Tilgung
bei aktueller Zinslage 3,0 – 3,7 %

Die drei größten Themen für Erstkäufer

1. Eigenkapital realistisch einschätzen

Die häufigste Quelle für Überraschungen: Es wird die Kreditrate gerechnet, aber das Eigenkapital zu optimistisch geplant. Zum Eigenkapital zählen Sparguthaben, fest verfügbares Tagesgeld, das Guthaben aus Bausparverträgen (sofern zuteilungsreif), Wertpapierdepots (mit Vorsicht zu bewerten), eine bereits ausgezahlte Lebens­versicherung und – mit Einschränkungen – schenkungs­steuerlich optimierte Zuwendungen der Eltern.

Nicht zum Eigenkapital zählen in der Bankenprüfung: Pkw, Bargeld zu Hause, prognostizierte Boni, prognostizierte Erbschaften, Crypto-Bestände (in der Regel ausgeschlossen), Sammlerwerte ohne kurzfristige Liquidierbarkeit.

2. Kaufnebenkosten verstehen

Kaufnebenkosten sind die Posten, die zusätzlich zum Kaufpreis anfallen und nicht durch das Bankdarlehen abgedeckt werden. Sie müssen aus Eigenkapital kommen – oder bei Vollfinanzierung explizit mitfinanziert werden, was die Bank teurer einpreist.

Beispielrechnung Kaufnebenkosten — 400.000 € Kaufpreis
MerkmalBayern (3,5 %)NRW / Brandenburg / Saarland (6,5 %)
Grunderwerbsteuer14.000 €26.000 €
Notar + Grundbuch (≈ 1,8 %)7.200 €7.200 €
Maklerprovision Käufer (3,57 %)*14.280 €14.280 €
Summe Nebenkosten35.480 €47.480 €
Anteil am Kaufpreis8,9 %11,9 %

*Bestellerprinzip beim Wohnimmobilienkauf: Käufer- und Verkäufer­anteil meist je 3,57 % inkl. MwSt. Maklerprovisionen sind regional verschieden. Beispielrechnung, kein verbindliches Angebot.

Eine Übersicht der Grunderwerbsteuer­sätze nach Bundesland finden Sie unter Grunderwerbsteuer­übersicht.

3. Tilgung und Restschuld­risiko

Bei einer 10-jährigen Zinsbindung läuft die Hauptlast Ihrer Finanzierung in der Anschluss­finanzierung – und niemand weiß, welcher Zinssatz dann gilt. Eine ausreichende Tilgung am Anfang reduziert die Restschuld und damit die Größe Ihres Anschluss­risikos.

Beispielfall: Familie kauft erste Eigentumswohnung in Köln

Familie mit zwei Einkommen, zwei Kindern. Wunschimmobilie: Eigentumswohnung in Köln, Kaufpreis 480.000 €. Eigenkapital: 80.000 € (16,7 %).

  • Kaufpreis: 480.000 €
  • Grunderwerbsteuer NRW (6,5 %): 31.200 €
  • Notar & Grundbuch (1,8 %): 8.640 €
  • Maklerprovision Käufer (3,57 %): 17.136 €
  • Summe Nebenkosten: 56.976 €
  • Gesamtbedarf: 536.976 €

Eigenkapital 80.000 € deckt nicht die Nebenkosten – Vollfinanzierung der Nebenkosten wäre nötig, was die Bank im Beleihungs­auslauf abbildet (102 %), was wiederum den Zins erhöht. Resultat: Statt 3,3 % Sollzins drohen 3,8 – 4,0 %.

Förderprogramme, die Sie kennen sollten

  • KfW 124 — Wohneigentum: Förderkredit bis 100.000 € pro Vorhaben. Zinsvorteil gegenüber bankübliche Konditionen, kombinierbar mit Standard­darlehen.
  • KfW 300 / 308 — Wohneigentum für Familien: zinsverbilligtes Spezialprogramm für Familien mit Kindern und Einkommens­grenze (Neubau bzw. Bestandskauf mit Sanierung). Einkommensgrenzen nach Kinderzahl im verlinkten Ratgeber.
  • Wohnungsbau­prämie: 10 % staatlicher Zuschuss auf Bausparbeiträge bis 700 €/Person/Jahr.
  • Wohn-Riester (Eigenheimrente): staatlich gefördertes Sparen mit Zulagen und Steuervorteilen, das in die eigene Immobilie eingesetzt werden kann.
  • Landes­förderungen: NRW.BANK, LfA Bayern, IBB Berlin und weitere bieten regional zusätzliche Programme — manchmal mit erheblicher Hebelwirkung für Erstkäufer.

Welche Bank bietet die besten Zinsen für Erstkäufer?

Ehrliche Antwort: Die eine beste Bank für Erstkäufer gibt es nicht. Welcher Kreditgeber am günstigsten ist, hängt von Ihrem konkreten Profil ab — vor allem vom Beleihungsauslauf, von der Region und von der Objektart. Eine Bank, die bei 80 % Beleihung Top-Konditionen bietet, kann bei einer 100-%-Finanzierung deutlich teurer sein als ein Wettbewerber. Genau deshalb vergleichen unabhängige Berater mehrere hundert Kreditgeber statt eine einzelne Hausbank zu empfehlen.

Drei Faktoren bewegen den Zins für Erstkäufer am stärksten:

  1. Beleihungsauslauf. Je mehr Eigenkapital, desto niedriger der Anteil des Darlehens am Kaufpreis — und desto besser der Zins. Die Sprünge liegen typischerweise bei 80 % und 90 %.
  2. Bonität und Einkommensart. Unbefristetes Angestelltenverhältnis, saubere SCHUFA und ein stabiler Haushaltsüberschuss führen zu besseren Konditionen als schwankende oder selbstständige Einkommen.
  3. Objekt und Region. Werthaltige, gut verwertbare Immobilien in nachgefragten Lagen bewerten Banken günstiger als Spezialobjekte oder strukturschwache Regionen.

Statt selbst Dutzende Banken abzuklappern, lohnt der Vergleich über einen Berater: Er kennt die Institute, die bei Ihrem Beleihungsauslauf und Ihrer Region am schärfsten kalkulieren. Wie sich Ihr Beleihungsauslauf auf Rate und Zins auswirkt, sehen Sie im Baufinanzierungsrechner.

Typische Fallen für Erstkäufer

  1. Tilgung zu niedrig wählen. 1 % Tilgung war im Niedrigzinsumfeld verbreitet — führt heute zu Restlaufzeiten von 40 – 50 Jahren.
  2. Nebenkosten unterschätzen. Wer mit 5 % rechnet, statt mit 10 – 12 %, landet schnell bei einer ungewollten Vollfinanzierung.
  3. Bewirtschaftungs­kosten vergessen. Hausgeld, Rücklage, Versicherungen summieren sich auf 3 – 5 €/m²/Monat.
  4. Restschuld­versicherung als Pflicht missverstehen. Sie ist nie Pflicht und in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht sinnvoll.
  5. Erstes Angebot nehmen. Vergleich aus mehreren hundert Kreditgebern bringt im Schnitt 0,1 – 0,3 Prozentpunkte Zinsvorteil — das sind 10.000 € – 30.000 € über die Laufzeit.
  6. Zu wenig Reservepuffer. 3 – 6 Monatsraten als Liquiditätspuffer gehören dazu, gerade beim Erstkauf.

Empfohlene Vorgehensweise

  1. Sparquote und Einkommens­verhältnisse über 6 Monate dokumentieren.
  2. Eigenkapital realistisch bewerten — inkl. Schenkungs­potenzial.
  3. Maximal tragfähigen Kaufpreis mit Berater berechnen (Tragfähigkeits­rechnung).
  4. Finanzierungs­zusage „dem Grunde nach“ einholen — vor Makler­besichtigungen.
  5. Bei Wunschobjekt: ESIS-Merkblätter aus mindestens drei Kreditgeberangeboten vergleichen.
  6. Notartermin erst nach Bonitätsprüfung und Bewilligung.

Der Erstkauf einer Immobilie ist eine der größten finanziellen Entscheidungen im Leben. Eine gute Vorbereitung mit klaren Zahlen und einem unabhängigen Berater spart über die Laufzeit häufig einen fünfstelligen Betrag — und gibt vor allem Planungs­sicherheit. Wer ohne deutschen Pass kauft, findet die Besonderheiten im Ratgeber Baufinanzierung für Expats und Ausländer.

Unverbindliche Auskunft. Keine Finanzierungszusage. Beispielrechnungen sind kein verbindliches Angebot — Konditionen abhängig von Bonität, Objekt und Kreditgeber.

Häufige Fragen

Wie viel Eigenkapital brauche ich für die erste Immobilie?

Mindestens die Kaufneben­kosten (10 – 15 % des Kaufpreises) sollten aus Eigenkapital finanziert werden. Empfohlen sind 20 – 30 % der gesamten Kosten als Eigenkapital. Vollfinanzierungen (100 % oder 110 %) sind möglich, aber teurer und risikoreicher.

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten in Deutschland?

Zwischen 9 % und 12 % des Kaufpreises: 3,5 – 6,5 % Grunderwerbsteuer (Bundesland-abhängig), 1,5 – 2 % Notar und Grundbuch, 0 – 3,57 % Maklerprovision (Käuferanteil). Beispiel: bei 400.000 € Kaufpreis ca. 40.000 – 48.000 € Nebenkosten.

Welche Tilgung ist als Erstkäufer empfehlenswert?

Bei aktuellem Zinsniveau (3,0 – 3,7 % Sollzins) sind 2 – 3 % anfängliche Tilgung üblich. Das ergibt eine Gesamtlaufzeit von etwa 25 – 30 Jahren. Niedrigere Tilgungen verlängern die Laufzeit deutlich und erhöhen das Anschluss­risiko.

Welche KfW-Förderung gibt es für Erstkäufer?

Aktuell relevant sind das KfW-Programm 124 (Wohneigentum, bis 100.000 €) und für Familien zusätzlich die Programme 300/308 (Wohneigentum für Familien, zinsverbilligt bei Haushalten mit Kindern und Einkommens­grenze). Förderprogramme ändern sich; aktuelle Details über kfw.de oder unsere Partner.

Was ist die Wohnungsbauprämie?

Eine staatliche Förderung für Bausparer: 10 % auf Sparleistungen bis zu 700 € pro Person und Jahr (Einkommens­grenze: 35.000 € Single, 70.000 € Verheiratete). Sinnvoll vor allem für junge Sparer, die langfristig Wohneigentum planen.

Was kostet mich das Haus monatlich wirklich?

Annuität (Zins + Tilgung) zzgl. monatlicher Bewirtschaftungs­kosten: 2,50 – 4,00 €/m² Hausgeld bei Eigentumswohnungen, 1,50 – 3,00 €/m² Instandhaltungs­rücklage. Plus Grundsteuer, Versicherungen, Energie. Faustregel: rechnen Sie 1 €/m² zusätzlich für Rücklagen ein, die Sie selbst bilden.

Wie kann ich Eigenkapital aufstocken?

Mietverhältnis verlängern und Sparquote erhöhen, Bausparvertrag mit Wohnungsbauprämie nutzen, Erbe oder Schenkung der Eltern einbeziehen (Schenkungs­steuer­freibetrag 400.000 € pro Elternteil und Kind), KfW-Wohn­eigentums­förderung als Eigenkapital­ersatz nutzen.