Ratgeber Erstkäufer

Die erste Immobilie finanzieren — was Sie wissen müssen

Eigenkapital, Kaufnebenkosten, Tilgungs­empfehlung, KfW-Förderung und die wichtigsten Fallen für Erstkäufer in Deutschland. Mit konkreten Zahlen und einem Beispielfall.

Junge Familie mit Kind vor dem frisch erworbenen Eigenheim mit Schlüssel in der Hand
Das erste Zuhause

Wer in Deutschland die erste eigene Immobilie kauft, betritt einen Markt mit klaren Regeln, aber wenig Transparenz. Eigenkapitalanforderungen sind hoch, Kaufneben­kosten zweistellig im Prozent­bereich, Förderprogramme verstreut. Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Entscheidungen zusammen und zeigt mit einem konkreten Beispielfall, wie eine realistische Erstfinanzierung 2026 aussieht.

Die drei größten Themen für Erstkäufer

1. Eigenkapital realistisch einschätzen

Die häufigste Quelle für Überraschungen: Es wird die Kreditrate gerechnet, aber das Eigenkapital zu optimistisch geplant. Zum Eigenkapital zählen Sparguthaben, fest verfügbares Tagesgeld, das Guthaben aus Bausparverträgen (sofern zuteilungsreif), Wertpapierdepots (mit Vorsicht zu bewerten), eine bereits ausgezahlte Lebens­versicherung und – mit Einschränkungen – schenkungs­steuerlich optimierte Zuwendungen der Eltern.

Nicht zum Eigenkapital zählen in der Bankenprüfung: Pkw, Bargeld zu Hause, prognostizierte Boni, prognostizierte Erbschaften, Crypto-Bestände (in der Regel ausgeschlossen), Sammlerwerte ohne kurzfristige Liquidierbarkeit.

2. Kaufnebenkosten verstehen

Kaufnebenkosten sind die Posten, die zusätzlich zum Kaufpreis anfallen und nicht durch das Bankdarlehen abgedeckt werden. Sie müssen aus Eigenkapital kommen – oder bei Vollfinanzierung explizit mitfinanziert werden, was die Bank teurer einpreist.

Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben.

Beispielrechnung Kaufnebenkosten — 400.000 € Kaufpreis
MerkmalBayern (3,5 %)NRW / Brandenburg / Saarland (6,5 %)
Grunderwerbsteuer14.000 €26.000 €
Notar + Grundbuch (≈ 1,8 %)7.200 €7.200 €
Maklerprovision Käufer (3,57 %)*14.280 €14.280 €
Summe Nebenkosten35.480 €47.480 €
Anteil am Kaufpreis8,9 %11,9 %

*Notar/Grundbuch und Makler sind hier reine Rechenannahmen. Maklerprovisionen werden vereinbart; bei beidseitiger Beauftragung zum Kauf einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses durch Verbraucher gilt §656c BGB. Beispielrechnung, kein verbindliches Angebot.

Eine Übersicht der Grunderwerbsteuer­sätze nach Bundesland finden Sie unter Grunderwerbsteuer­übersicht.

3. Tilgung und Restschuld­risiko

Bei einer 10-jährigen Zinsbindung läuft die Hauptlast Ihrer Finanzierung in der Anschluss­finanzierung – und niemand weiß, welcher Zinssatz dann gilt. Eine ausreichende Tilgung am Anfang reduziert die Restschuld und damit die Größe Ihres Anschluss­risikos.

Beispielfall: Familie kauft erste Eigentumswohnung in Köln

Familie mit zwei Einkommen, zwei Kindern. Wunschimmobilie: Eigentumswohnung in Köln, Kaufpreis 480.000 €. Eigenkapital: 80.000 € (16,7 %).

  • Kaufpreis: 480.000 €
  • Grunderwerbsteuer NRW (6,5 %): 31.200 €
  • Notar & Grundbuch (1,8 %): 8.640 €
  • Maklerprovision Käufer (3,57 %): 17.136 €
  • Summe Nebenkosten: 56.976 €
  • Gesamtbedarf: 536.976 €

Das Eigenkapital von 80.000 € deckt die angenommenen Nebenkosten von 56.976 €. Es bleiben 23.024 € für den Kaufpreis. Der rechnerische Darlehensbedarf beträgt 536.976 € − 80.000 € = 456.976 €, also rund 95,2 % des Kaufpreises. Der bankseitige Beleihungswert kann vom Kaufpreis abweichen; ein konkreter Zinssatz lässt sich daraus nicht ableiten.

Förderprogramme, die Sie kennen sollten

  • KfW 124 — Wohneigentum: Förderkredit bis 100.000 € pro Vorhaben. Konditionen mit dem Bankangebot vergleichen; kein garantierter Zinsvorteil.
  • KfW 300 / 308 — Wohneigentum für Familien: zinsverbilligtes Spezialprogramm für Familien mit Kindern und Einkommens­grenze (Neubau bzw. Bestandskauf mit Sanierung). Einkommensgrenzen nach Kinderzahl im verlinkten Ratgeber.
  • Wohnungsbau­prämie: 10 % staatlicher Zuschuss auf Bausparbeiträge bis 700 €/Person/Jahr.
  • Wohn-Riester (Eigenheimrente): staatlich gefördertes Sparen mit Zulagen und Steuervorteilen, das in die eigene Immobilie eingesetzt werden kann.
  • Landes­förderungen: NRW.BANK, BayernLabo, IBB Berlin und weitere bieten regional zusätzliche Programme — manchmal mit erheblicher Hebelwirkung für Erstkäufer.

Welche Bank bietet die besten Zinsen für Erstkäufer?

Ehrliche Antwort: Die eine beste Bank für Erstkäufer gibt es nicht. Welcher Kreditgeber am günstigsten ist, hängt von Ihrem konkreten Profil ab — vor allem vom Beleihungsauslauf, von der Region und von der Objektart. Eine Bank, die bei 80 % Beleihung Top-Konditionen bietet, kann bei einer 100-%-Finanzierung deutlich teurer sein als ein Wettbewerber. Genau deshalb vergleichen unabhängige Berater mehrere Kreditgeber statt eine einzelne Hausbank zu empfehlen.

Drei Faktoren bewegen den Zins für Erstkäufer am stärksten:

  1. Beleihungsauslauf. Je mehr Eigenkapital, desto niedriger der Anteil des Darlehens am Kaufpreis — und desto besser der Zins. Die Sprünge liegen typischerweise bei 80 % und 90 %.
  2. Bonität und Einkommensart. Unbefristetes Angestelltenverhältnis, saubere SCHUFA und ein stabiler Haushaltsüberschuss führen zu besseren Konditionen als schwankende oder selbstständige Einkommen.
  3. Objekt und Region. Werthaltige, gut verwertbare Immobilien in nachgefragten Lagen bewerten Banken günstiger als Spezialobjekte oder strukturschwache Regionen.

Statt selbst Dutzende Banken abzuklappern, lohnt der Vergleich über einen Berater: Er kennt die Institute, die bei Ihrem Beleihungsauslauf und Ihrer Region am schärfsten kalkulieren. Wie sich Ihr Beleihungsauslauf auf Rate und Zins auswirkt, sehen Sie im Baufinanzierungsrechner.

Typische Fallen für Erstkäufer

  1. Tilgung zu niedrig wählen. 1 % Tilgung war im Niedrigzinsumfeld verbreitet; wie lange die Rückzahlung dauert, hängt auch vom Sollzins ab.
  2. Nebenkosten unterschätzen. Wer mit 5 % rechnet, statt mit 10 – 12 %, landet schnell bei einer ungewollten Vollfinanzierung.
  3. Bewirtschaftungs­kosten vergessen. Hausgeld, Rücklage, Versicherungen müssen anhand des konkreten Objekts kalkuliert werden.
  4. Restschuld­versicherung als Pflicht missverstehen. Sie ist nie Pflicht und in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht sinnvoll.
  5. Erstes Angebot nehmen. Mehrere vergleichbare Angebote helfen bei der Entscheidung; eine pauschale Ersparnis ist nicht belegt.
  6. Zu wenig Reservepuffer. 3 – 6 Monatsraten als Liquiditätspuffer gehören dazu, gerade beim Erstkauf.

Empfohlene Vorgehensweise

  1. Sparquote und Einkommens­verhältnisse über 6 Monate dokumentieren.
  2. Eigenkapital realistisch bewerten — inkl. Schenkungs­potenzial.
  3. Maximal tragfähigen Kaufpreis mit Berater berechnen (Tragfähigkeits­rechnung).
  4. Unverbindliche Finanzierungsbestätigung einholen — vor Makler­besichtigungen.
  5. Bei Wunschobjekt: ESIS-Merkblätter aus mindestens drei Kreditgeberangeboten vergleichen.
  6. Notartermin erst nach Bonitätsprüfung und Bewilligung.

Der Erstkauf einer Immobilie ist eine der größten finanziellen Entscheidungen im Leben. Eine gute Vorbereitung mit klaren Zahlen und einem unabhängigen Berater hilft, Risiken und Vertragsbedingungen vor der Entscheidung zu verstehen. Wer ohne deutschen Pass kauft, findet die Besonderheiten im Ratgeber Baufinanzierung für Expats und Ausländer.

Quelle zur Eigenkapitalorientierung: Verbraucherzentrale: Immobilienfinanzierungsmodelle, geprüft am 11.09.2026. Eine Empfehlung ist keine verbindliche Kreditvergaberegel.

Unverbindliche Auskunft. Keine Finanzierungszusage. Beispielrechnungen sind kein verbindliches Angebot — Konditionen abhängig von Bonität, Objekt und Kreditgeber.

Häufige Fragen

Wie viel Eigenkapital brauche ich für die erste Immobilie?

Eine allgemeine gesetzliche Mindestquote gibt es nicht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt als Orientierung 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises zuzüglich Kaufnebenkosten. Die Bank prüft den Einzelfall. Zusätzlich sollte eine Liquiditätsreserve verfügbar bleiben.

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten in Deutschland?

Addieren Sie den geltenden Grunderwerbsteuersatz, die Notar- und Grundbuchgebühren und eine gegebenenfalls vereinbarte Maklerprovision. Eine feste bundesweite Gesamtquote gibt es nicht. Der Kaufnebenkosten-Rechner zeigt eine Orientierung mit transparenten Annahmen.

Welche Tilgung ist als Erstkäufer empfehlenswert?

Wählen Sie die Tilgung anhand Ihrer Haushaltsrechnung, der gewünschten Restschuld und des geplanten Ruhestands. Prüfen Sie höhere Anschlusszinsen als Belastungsszenario. Ein pauschaler Tilgungssatz garantiert keine bestimmte Laufzeit.

Welche KfW-Förderung gibt es für Erstkäufer?

Aktuell relevant sind das KfW-Programm 124 (Wohneigentum, bis 100.000 €) und für Familien zusätzlich die Programme 300/308 (Wohneigentum für Familien, zinsverbilligt bei Haushalten mit Kindern und Einkommens­grenze). Förderprogramme ändern sich; aktuelle Details über kfw.de oder unsere Partner.

Was ist die Wohnungsbauprämie?

Eine staatliche Förderung für Bausparer: 10 % auf Sparleistungen bis zu 700 € pro Person und Jahr (Einkommens­grenze: 35.000 € Single, 70.000 € Verheiratete). Sinnvoll vor allem für junge Sparer, die langfristig Wohneigentum planen.

Was kostet mich das Haus monatlich wirklich?

Zur Kreditrate kommen Betriebskosten, Grundsteuer, Versicherungen und Rücklagen. Bei einer Wohnung sind Wirtschaftsplan, Hausgeld und geplante Sonderumlagen wichtig. Verwenden Sie konkrete Objektunterlagen; allgemeine Quadratmeterpauschalen ersetzen diese Prüfung nicht.

Wie kann ich Eigenkapital aufstocken?

Prüfen Sie Sparguthaben und tatsächlich verfügbare Schenkungen. Beim Bausparen ist nur das Guthaben Eigenkapital; ein Bauspardarlehen bleibt Fremdkapital. Auch ein KfW-Förderkredit ist kein Eigenkapital.